Placebo: Life’s What You Make It

Placebo haben vor einiger Zeit einen alten 80er-Klassiker von Talk Talk gecovert: „Life’s What You Make It“. Das Video dazu wurde von der Regisseurin Sasha Rainbow gedreht. Es wurde in Agbogbloshie aufgenommen, einem ehemaligen Feuchtgebiet im Herzen von Accra in Ghana und mittlerweile die Heimat einer der weltweit größten Müllkippen für Elektroschrott. Dort, wo 40.000 Menschen auf einer Fläche von 16 km² leben sollen, landen sie also, unsere alten Handys, Fernseher und Computer.

Damit steht Agbogbloshie für eine lange Verwertungskette, an deren Ende die Bewohner den Schrott verbrennen, den der Westen geliefert hat, um damit etwas Geld zu verdienen, dabei die Umwelt zerstören, wodurch die Menschen krank werden. Life’s what you make it, auch für die Arbeiter am Ende der Welt.

Iggy Pop und Josh Homme auf dem Weg nach American Valhalla

Iggy Pop

Mit Post Pop Depression gelang Iggy Pop im letzten Jahr gerade noch rechtzeitig ein würdiges Alterswerk. Und das in einem Jahr, in dem fast im Wochentakt gestorben wurde. Bedanken darf er sich dafür bei Josh Homme. In dem kalifornischen Wüsten-Rocker hat er den perfekten Verbündeten gefunden. Diesen Sommer kommt nun mit „American Valhalla“ eine Dokumentation in die Kinos, die die Geschichte dieser Zusammenarbeit erzählt.

Es gibt Tage, an denen ein einziger Song die Welt aus den Angeln heben kann, wenigstens ein bisschen. Der 21. Januar 2016 war so einer. Auf YouTube hatte Iggy Pop gerade einen neuen Song namens ‚Gardenia‘ veröffentlicht und in der Info dazu nur diesen einen Satz: „From the new album ‘Post Pop Depression,‘ out now.“ [Bitte Explosionsgeräusch einfügen]. Zur Erinnerung: Keine zwei Wochen vorher war David Bowie gestorben und hatte weite Teile des Planeten in eine schwere Sinnkrise gestürzt! Das Jahr war gelaufen, bevor es überhaupt richtig in Schwung kam. Dazu die Jahreszeit. Draußen kalter Frost, drinnen Bowies düsterer ‚Black Star‘ auf allen Kanälen. Es war die Zeit, die auch die härtesten Frohnaturen auf die Knie zwang.

Umso hoffnungsvoller stimmte dieses Lebenszeichen von Iggy, auch wenn der Titel des neuen Albums auf den ersten Blick nicht gerade stimmungsaufhellend wirkte: Post Pop Depression. Wie war das gemeint? Ein letzter musikalischer Handshake zwischen Bowie und Pop? Ein akustisches Wundpflaster für die Deprimierten dieser Welt, die den Verlust des großen Pop-Genius beweinten? Egal, es wirkte wie ein willkommener Mutmacher in schweren Zeiten. Und außerdem: Ein neues Album von Iggy bedeutet in der Regel eine neue Tour!

Ein entfesselter Derwisch und tollkühner Stage-Diver

Seit ich Iggy Pop im August 1991 in der Berliner Wuhlheide zum ersten Mal auf einer Bühne erlebt habe, damals war er bereits 44 Jahre alt, wusste ich, dass es zu meinen Lebzeiten niemals einen wilderen und größeren Rock-Act geben könne. Alles wofür Iggy in seiner langen Karriere schon berühmt und berüchtigt war, kam zur Aufführung. Er begeisterte als entfesselter Derwisch und tollkühner Stage-Diver, der sich selbst in keiner Sekunde schonte, so dass man ihm dringend eine gute Unfallversicherung und ggf. eine Chefarztbehandlung wünschte.

Wenn sich nun ein harter Bruder wie Josh Homme, der zusammen mit den Eagles of Death Metal oder den Queens of the Stone Age, musikalisch keine Gefangenen macht, mit dem Sänger der Stooges zusammentut, stehen die Vorzeichen auf laut-krachenden ROCK. Umso überraschender war dann das tatsächliche Ergebnis dieser Fusion. Ähnlich wie David Bowie mit „Where are we now“ von seinem vorletzten Album „The Next Day“, schwelgte auch Iggy Pop streckenweise in alten Erinnerungen an seine Zeit in der Mauerstadt.

Ein großer Glücksmoment in der späten Karriere des Iggy Pop

Diese weithin bekannte Episode seiner Biographie war wohl auch der kreative Ausgangspunkt für die Arbeit an dem Album. In Interviews berichtete Pop, wie er Josh Homme eine Sammlung alter Texte, Zeichnungen und Hintergrundmaterial zu den Aufnahmen seines 1977er Albums „Lust for Life“ schickte. Darunter sollen auch ein paar schmutzige Notizen zu seinen sexuellen Abenteuern in Berlin gewesen sein. Also genau der Stoff, aus dem der Rock’n’roll seit Generationen gemacht wird. Und nicht alles auf Post Pop Depression ist reine Vergangenheitsbewältigung. Die Lust am Ausbrechen aus dieser korrumpierten und verängstigten Welt, blitzt immer durch. Und ja, vielleicht wartet in Paraguay tatsächlich ein besseres Leben.

Dass sich Josh Homme, der auch die Band zusammenstellte, komplett in den Dienst seines Idols stellte, ist ein großer Glücksmoment in der späten Karriere des Iggy Pop. Josh Homme, der Multitasker hat in der Rolle als Fanboy und Produzent Iggy nicht neu erfunden. Das wäre auch kaum gutgegangen. Es reichte schon aus, ein neues, kreatives Feuer zu entfachen. Jeder Song trägt die unverkennbare Homme-Gitarren-Handschrift und gleichzeitig schwingt über der ganzen Produktion ein Hauch 70’s-Bowie-Berlin-Sound. Wie sehr die Band tatsächlich zu Iggys Band wurde, zeigte schließlich die Tournee.

Das finale Album des Punk-Poeten

Keine Frage, ich hätte, ohne mit der Wimper zu zucken, meine rechte Niere gegeben, um bei dieser Tour dabei zu sein. Glücklicherweise war das nicht nötig, und so stand ich, fast genau 25 Jahre nach der Wuhlheide, wieder einmal in der Menge. Es war, trotz beachtlicher Konkurrenz (Live-Reunion von L7 oder Abschiedstour von Black Sabbath), das beste Konzert 2016! Zusammen mit seiner Band verpasste Iggy allen Anwesenden vom ersten Moment an eine Überdosis an Glückshormonen, zusammen mit einem wohligen Grinsen, das über mehrere Tage anhielt.

Sollte dies tatsächlich das finale Album und die letzte Tour für den mittlerweile 70-jährigen Punk-Poeten und Elder Statesman gewesen sein, dann müssten damit alle, wirklich alle, mehr als d’accord sein. Viel besser kann man nicht von der Bühne zurücktreten. Ich schätze, auch davon wird „American Valhalla“ berichten. Vielleicht ist aber die Mission des James Newell Osterberg aka Iggy Pop noch gar nicht vorbei. Denn trotz einiger Andeutungen in diese Richtung tourt der alte Iguana munter weiter und verbreitet, wo er auch auftritt, beste Laune. Gerade erst hat er für Oktober ein Konzert in Moskau angekündigt. Das liegt zwar nicht in Paraguay, aber für die Konzertbesucher, wird es sich für einen Abend genau so anfühlen.


[Ähnlich: Iggy Pop: American Valhalla & Iggy Pop über Musik im Kapitalismus]

Zum Totlachen: House of Covfefe

House of Cards

Letzte Nacht im Netz. Donald Trump gewinnt Twitter mit einem verunglückten Wort in einem Tweet: „Despite the constant negative press covfefe“. Anschließend Stille. Keine Korrektur. Nichts. Über fünf Stunden nur dieser Tweet und die vage Vermutung, dass es wohl urspünglich ‚coverage‘ oder vielleicht ‚coffee‘ heißen sollte. Aber wer weiss das schon? Und wen interessiert das überhaupt? Der amerikanische Präsident hat sich nachts auf seinem Handy vertippt und Twitter dreht komplett durch.

Wie nicht anders zu erwarten, läuft der Meme-Industrielle-Komplex in kürzester Zeit zu Höchstorm auf und produziert Covfefe in riesigen Mengen. Trump selber feuert den Hype noch an:

Unterm Strich also Social-Media-Noise as usual, möchte man meinen. Sämtliche Medien springen auf Covfefe an. Und ja, irgendwie ist die tägliche Trump-Dosis am Morgen ja auch lustig. Aber so richtig auch wieder nicht. Und zwar immer weniger, wenn einem erst das ganze Ausmaß des Desasters bewusst wird. TYT berichtete…

Noch während das halbe Internet sich wegen Covfefe also auf die Schenkel klopft, kommen dann übrigens noch echte Nachrichten aus Washington. Demnach plant Trump anscheinend das Pariser Abkommen zum Klimaschutz zu kündigen. Aber was wäre Twitter, wenn es nicht auch damit seinen Spaß haben könnte:

Dan Auerbach: Waiting On A Song

Dan Auerbach Waiting On A Song

Am 2. Juni erscheint „Waiting On A Song“, das zweite Soloalbum von Black-Keys-Frontmann Dan Auerbach. Alles ziemlich gut gelaunter 70’s Retro-Pop, nostalgisch auf die eigene Jugend zurückschauend. Vor allem bei der der Single „Shine on me“ hat Dan Auerbach tief in die Kiste mit den George Harrison, bzw. Traveling Wilburys Inspirationen gegriffen. Der Sommer ist damit eingeläutet und bei NPR gibt es das Album auch schon komplett im Stream zu hören!