London Grammar: Wasting My Young Years

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So gar nicht frühlingskompatibel kommen dieser Tage London Grammar mit “Wasting My Young Years” daher. Das Londoner Trio wandelt zwar auf den Spuren von The XX, klingt bislang aber noch einen Tick dramatischer und auf Glanz poliert. Im Februar erschien bereits die EP “Metal & Dust”. Und jetzt also “Wasting My Young Years” oder auch “so jung und ängstlich kommen wir nicht mehr zusammen”. Präzise arrangiert und sirenenhaft vorgetragen, so dass sich darauf bestimmt alle einigen können, ist die Single ab 16. Juni erhältlich. Das vorab veröffentlichte Video der Band beeindruckt schon mal mit gefrorenem Momentum.

Und so haben sie das gemacht:

re:publica 2013: All my friends are pappkarton

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Klar, ich könnte jetzt damit anfangen, dass die re:publica in diesem Jahr so viel Programm und Speaker hatte wie noch nie. Oder damit, dass wahrscheinlich noch nie so viele Besucher an den drei Tagen unterwegs waren. Und auch noch nie so viel akkreditierte Presse. Kann man alles machen. Auch das die #rp13 noch etwas größer als im Vorjahr werden würde, war vielleicht abzusehen. Wetterglück kam noch hinzu. Und so war die eigentliche Überraschung nicht so sehr die Größe des Events, sondern die Art und Weise wie das alles über die Bühne ging. Die re:publica ist offensichtlich eine der größten Netzkonferenzen des Landes und längst mehr als nur ein “Klassentreffen der Bloggerinnen und Blogger”. Als Veranstaltung  ist sie sowohl vom Programmangebot als auch von der Medienresonanz her in der Mitte der Gesellschaft angekommen.

rp13

Für die Besucher war die #rp13 vor allem drei Tage Konferenz & Festival mit vielen Möglichkeiten zum Kennenlernen, Quatschen, Feiern, Vernetzen, Pläne machen. Und nebenbei setzt man sich immer wieder mal in eine Session und lernt etwas über die Onlineszene in Westafrika, Katzen im Netz, Roboter-Ethik, Urheberrechts-Flame-Wars oder die aktuelle Debatte zur Netzneutralität.

Am Freitag vor der #rp13 bezog ich also die STATION, um dort mit Kollegen unser Redaktionsbüro einzurichten, Medienanfragen zu bedienen und natürlich auch beim Aufbau zu helfen. 10.000 Pappkartons wurden angeliefert, von denen rund 8.700 zusammengefaltet und aufgebaut werden wollten. Den Großteil dieser Arbeit übernahmen unsere großartigen Helfer. Beim Abbau am Donnerstag war dann aber auch das komplett erschöpfte Team in der Pflicht, den ganzen Tag über den Pappwahnsinn mit Alba-Papierpressen zu entsorgen.

Aber zurück zum Anfang. Der Montag stand erst mal ganz im Zeichen der Eröffnungsveranstaltung, die sehr pünktlich um 10:30 Uhr begann. Wie im letzten Jahr wurden mit Hilfe von SPIEGEL Online alle drei Tage auf der Hauptbühne im Live-Stream auf Spiegel.de und natürlich re-publica.de übertragen. Für dieses Jahr hatten wir uns vorgenommen, den Stream noch etwas interessanter zu gestalten, also vor allem die Pausen zwischen den einzelnen Sessions mit Musik und ab Dienstag auch mit Interviews unseres Medienpartners dctp.tv zu füllen. Philip Banse war wieder an allen Tagen vor Ort und drehte Gespräche mit Veranstaltern, Gästen und Speakern. Um 5 Minuten nach 10 Uhr ging der #rp13-Stream schließlich online. Etwas Musik für das pre-opening hatte ich extra noch in der Nacht zuvor zusammengebastelt und sie lief auch den ganzen Montag immer mal wieder bei uns im Redaktionsbüro (hier noch mal Danke an SPON für das unkomplizierte Verfahren).

Auf einer Skala von 10 bis 11 würde ich dem Presseansturm am ersten Tag mal eine 10.8 geben. Viele Fragen, die gestellt wurden, hätte man übrigens mit einem Minimum an Eigenrecherche herausfinden können, aber gut, warum nicht im persönlichen Gespräch klären. Mein persönlicher Höhepunkt waren tatsächlich diverse Telefongespräche mit einer Kollegin aus dem ARD-Hauptsstadtstudio, die bereits seit Freitag einen Dreh für eine Ausgabe der 12 Uhr-Tagesschau organisieren wollte. Zuerst sollte der Aufhänger für das geplante Stück noch die bunte Start-up Szene Deutschlands sein. Diese Idee wurde dann verworfen und plötzlich war das Thema Open Science angesagt und Interviews mit Speakern vorgesehen. Aber auch dieser Spin hielt nicht über’s Wochenende, denn anscheinend hatten die Kollegen am Montag die Eröffnung im Stream gesehen und dabei Markus Beckedahls Appell an die Bundesregierung zur Wahrung der Netzneutralität mitbekommen. Von da an hieß es dann wohl, “Ok, machen wir was zur Netzneutralität und diesem Drosselkom-Ding. Ruft doch mal an und macht ein paar Interviews mit diesem Beckedahl und der Telekom klar.” So richtig diese Entscheidung war, so überstürzt musste die Recherche zum Thema abgelaufen sein. Im Gespräch mit der verantwortlichen Kollegin von ARD-Aktuell musste ich an einer Stelle tatsächlich klarstellen: “Nein, wir haben keinen Stand der Telekom auf der re:publica. Und nein, Markus Beckedahl arbeitet auch nicht für die Telekom.” Missverständnis ausgeräumt.

Die Nacht von Montag zu Dienstag war wieder kurz und der Tag begann mit Interviewanfragen, Blogposts, Akkreditierungsfoo und vor allem YouTube und Stream-Sendeplanung. Der Plan war folgender: Alle Sessions, die auf der Hauptbühne aufgezeichnet werden, landen per Script automatisch richtig betitelt und getaggt in  unserem YouTube-Kanal, wo sie allerdings noch einmal manuell freigegeben und einer Playlist hinzugefügt werden müssen. Bis jetzt haben wir bereits 144 Videos von den #rp13-Sessions online gestellt (zum Vergleich: 2012 gab es insgesamt 75 Sessions). Parallel häuften sich die Extra-Interviews auf unserem Fileserver, die wir in den kurzen Pausen ebenfalls in den Stream schmissen. All das funktionierte, weil die Jungs von Code One in der Bildregie einen tollen Job machten, wir mehr als genug Footage zur Verfügung hatten (das in den nächsten Tagen evtl. auch noch bei uns im YouTube-Kanal landen wird) und das Internet in der STATION diesmal wirklich gut war.

So verging der halbe Dienstag, mein Körper hatte sich mittlerweile an den Schlafentzug und das Kommunikationstempo gewöhnt, vielleicht war das aber auch nur ein geschicktes Täuschungsmanöver. Denn als ich am späten Nachmittag feststellte, dass ich das Crew-Catering verpasst hatte und nur noch letzte Reste Reis aus der Schüssel kratzen konnte, hätte ich gewarnt sein müssen. “Der Hungerast ist der natürliche Feind des Konferenzteilnehmers”, hatte ich noch selbst eine Woche vor der #rp13 gewarnt. Doch zu spät. Der Energielevel aller Schilde sank rapide um 80%, der Körper fühlte sich plötzlich an, als würde ich einen Taucheranzug aus Blei tragen. Sinken, atmen, sitzen – bloß nicht hinlegen – das sind dann so die Gedanken, die es noch irgendwie in den Kopf schaffen. Und mal für 30 Minuten nicht ans Telefon gehen. Zum Glück war ein Teamkollege zur Stelle und drückte mir eine Bratwurst und eine Mate in die Hand (Danke, Michi). Und weiter ging’s.

Der Mittwoch verlief dann schon etwas ruhiger. Der Großteil der Medien war zu diesem Zeitpunkt bereits akkreditiert, einzelne Interviews wurden noch verabredet, Blopgposts vorbereitet und immer wieder dieser eine Hinweis: “Ja, wir haben Videos und Bilder, schauen sie doch bitte mal ins Netz bei YouTube und Flickr.” Um 18 Uhr dann die Abschlussfeier mit Bühnenaction und Singen. Zu diesem Zeitpunkt überwog auf der seinen Seite die Freude es geschafft zu haben, auf der anderen Seite war es aber eben noch überhaupt nicht geschafft. Hallo Abbau! Direkt im Anschluss an die Verabschiedung ging es los (nochmal: 8.700 Pappkartons). Für mich hieß es aber erst mal zurück an den Rechner: Videos freigeben, den Blog füllen, Pressemitteilung schreiben, Journalistenfragen beantworten und YouTube-Sperren wegen Musiknutzung umgehen. It ain’t over til it’s over. Irgendwann gegen 23 Uhr waren die ganzen Restbaustellen dann aber mehr oder weniger abgeräumt und somit Zeit für die Abschlussparty. Während 99% der Partygäste am Feiertags-Donnnerstag ihren Kater in Ruhe ausschlafen konnten, war unser Team teilweise ab 8 Uhr wieder auf den Beinen, um nicht nur den Restalkohol sondern auch alles andere in der STATION abzubauen. Der Begriff ‘Herausforderung’ beschreibt den mentalen und physischen Zustand aller Beteiligten, in dem dies passierte, nur unzureichend. Aber so ist das. Auf jeder Party gibt es welche, die den Abwasch machen müssen. Done.

Seit Freitag steht nun re:generation auf dem Programm. Zum Schluss noch mal ein bißchen Redaktionsstatistik zu rund sechs Monaten re:publica 2013 (seit Dezember): Bis heute fielen u.a. 3.427 gelesene und 2.011 geschriebene Emails, rund 80 verfasste Blogposts, Newsletter und Meldungen, 500 Presseakkreditierungen sowie 144 YouTube-Videos an. Und die 1.227 Fotos, die in meiner Dropbox liegen, müssten auch noch mal gesichtet und verarbeitet werden.

good bye #rp13

Was bleibt? Zunächst die Erinnerung an eine großartige Veranstaltung mit toller Atmosphäre und Gästen, einem großartigen Team und so viel Berichterstattung in Blogs, Online-Medien, Zeitungen und TV, dass ich mit der Aufarbeitung die gesamte nächste Woche füllen könnte. Stattdessen hole ich jetzt lieber das nach, was ich fast komplett verpasst habe: Das Programm. Da sind so viele große und kleine Entdeckungen zu machen, die ich mir jetzt in aller Ruhe von der Couch anschauen kann (sehr komfortabel übrigens dank Michael Kreils Session-YouTube Verlinkung) Und das mache ich jetzt. Dann habe ich sie auch irgendwann: meine re:publica 2013.

Fotos: Gregor Fischer und Tony Sojka

Francis International Airport: The Right Ones

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FIA

Francis International Airport machen das schon ziemlich gut, dieses Unterkühlte, Strenge, Krautrockartige ihrer neuen Single ‘The Right Ones’. Die Band und ihre ersten beiden Alben sind bislang völlig an mir vorbeigegangen. Aber jetzt haben sie meine ganze Aufmerksamkeit. Der Sound deutet schon an, wohin die Reise gehen könnte: Düsseldorf liegt heute in Wien. Warum auch nicht. Cache – ihr drittes Album – erscheint im Mai und die Tour bringt sie schon am 23. Mai ins Haus Ungarn nach Berlin. Einchecken lohnt sich!

Das Gegenteil von Momentum

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Es gibt einen geeigneten Moment, um Dinge zu tun und sich dem möglichen Glück zu stellen, dabei kann es sich um einen Zeitraum von ein paar Tagen, ein paar Wochen oder sogar ein paar Monaten handeln, aber diese Chance bietet sich nur ein einziges Mal, und wenn man sie später erneut zu ergreifen sucht, ist das schlichtweg unmöglich, es ist kein Raum mehr da für Begeisterung, für Überzeugung, für Glauben, es bleibt nur sanfte Resignation, gegenseitige Betroffenheit und das nutzlose, wenn auch berechtigte Gefühl zurück, dass irgendwas hätte geschehen können, man sich aber des Geschenks, das einem gemacht worden ist, unwürdig gezeigt hat. (Michel Houellebecq, Karte und Gebiet)

Was ist nicht alles in letzter Zeit über die Piratenpartei geschrieben und gesendet worden. Über Streitereien, Anfeindungen, Mobbingversuche in Landesverbänden überall. Ein Noise, der alles andere komplett überstrahlte. Wer nur alle paar Wochen mal eine Nachricht über die Piraten liest, muss glauben hier kämpft eine Partei mit sich selbst. Und es steht nicht gut.

Das Metier der Politik ist die Ungerechtigkeit. In einer Gesellschaft in der alle Beteiligten aufgerufen sind sich zu beteiligen besonders. Wenn sie es denn wirklich tun würden. Der schnelle Anstieg bei den Mitgliederzahlen wird oft als Hauptgrund für viele Probleme angeführt. Sicher ist die Heterogenität der Basis eine Besonderheit dieser Partei, aber sie entschuldigt nicht auf Dauer das Ausmaß an Selbstdemontage. Alles halb so wild? Vielleicht kämpfen ja auch nur die Hysterischen gegen die Zwanghaften. Die Hysterischen wollen, dass sich ständig alles verändert. Das macht diese Gruppe so besonders anfällig für die Piraten. Die Zwanghaften wollen, dass alles immer so bleibt wie es gerade ist. Wenn nach langer Zeit sich die Hysterischen aufmachen, in der Welt der Zwanghaften ihren Platz zu behaupten, gerät alles aus den Fugen.

Piraten wollen beides sein, Bewegung und Partei. Einige Bewegungen der Vergangenheit hatten nach außen sichtbare und nach innen wirkende Figuren. Die Studentenbewegung hatte Rudi Dutschke, die Friedensbewegung hatte Petra Kelly. Dann kam eine Weile gar nichts. Und plötzlich mischt da so eine Piratenpartei mit und siehe da, auch dort entdeckt die Öffentlichkeit interessante Persönlichkeiten. Marina Weisband zum Beispiel. Politische Geschäftsführerin von Mai 2011 bis April 2012. Ein Amt auf Zeit. Sie zog sich danach zurück, setzte ihr Studium fort. Als sie gefeiert aber erschöpft abtrat wirkte die Piratenpartei auf gutem Weg. Das ist noch gar nicht so lange her und fühlt sich an wie eine Episode aus den Chroniken von Narnia. Jetzt erscheint ein Buch.

Und dann Johannes Ponader. Ein politischer Geschäftsführer, der sich der Basis und nur der Basis verpflichtet fühlte, so die Erzählung. Der ziemlich schnell ebenso bekannt wurde und polarisierte, es darüber wohl zu wenig schaffte die Partei nach außen zu erklären und nach innen zusammenzuhalten, ohne das hauptsächlich über seine Person gesprochen wurde. Der Dauerstreit im Bundesvorstand wurde zur Dauerinstallation. Doch die Aufführung zog sich. Erst nach den niederschmetternden Ergebnissen einer parteiinternen Umfrage, konnte er sich durchringen und die Konsequenzen ziehen.

Als politischen Grund nennt Johannes den massiven Rückgang der Zustimmungswerte und das enttäuschende Ergebnis der Landtagswahl in Niedersachsen, wo der Einzug ins fünfte Landesparlament verpasst wurde. „Ich sehe die Hauptverantwortung für diesen Vertrauensverlust beim Vorstand und unserer oft fragwürdigen Außenwirkung der letzten Monate“, so der politische Geschäftsführer. Was genau denn nun schief gegangen ist, darüber findet sich wenig im Text. Damit bleibt uns Johannes zumindest noch sein eigenes Stück schuldig, Stoff genug für eine Bühnenfassung sollte das Jahr gebracht haben.

Oft ist die Versuchung groß, Einzelpersonen verantwortlich zu machen für größere Schäden. Doch wahrscheinlich ist es das nicht. Warum auf dem nächsten Parteitag in Neumarkt im Mai nicht der gesamte Bundesvorstand zur Wahl steht, leuchtet daher wenig ein. Vielleicht war die Amtsperiode Ponader auch nur ein Symptom einer teilweise – man muss es leider so sagen – manisch-depressiven Phase in der Geschichte der Piratenpartei. Wahlerfolge und Medienhype wurden nicht gut verkraftet. Wenn man sich noch mal an die Programmdiskussionen in Bochum erinnert, fällt auf wie wahnsinnig gespalten die Partei in vielen Fragen ist. Die Flügelkämpfe haben bereits zu dramatischen Verwerfungen geführt. Die einen gründen ein Frankfurter Kollegium, die anderen schreiben richtungsweisende Manifeste. Der eine Verband sucht sein Glück in der SMV, andere fürchten Machtkonzentration. Wie sich Bürgerinnen und Bürger davon angesprochen fühlen sollen bleibt unklar. Auch wie wenige der über 30.000 Mitglieder sich an Entscheidungen beteiligen, von der lokalen Gebietsversammlung bis hin zur Liquid Feedback Initiative auf Bundesebene. Mythos Partizipation. Moderne Bürgerrechtspartei mit ausgewählten Themenschwerpunkten wie Reform des Urheberrechts, gegen Internetzensur, informationelle Selbstbestimmung und gesellschaftliche Teilhabe oder eine Art fundamentalistische Bürgerbewegung mit digitaler Linke, die orthodox-demokratisch die reine Lehre predigt und aus jedem aktuellen Tagesordnungspunkt eine Existenzfrage ableitet. Ausgang offen. Vor zwei Jahren hieß es oft, die Piraten arbeiten daran sich selbst überflüssig zu machen. Wie großartig das klang und wie merkwürdig.

An dieser Stelle vielleicht doch noch mal der Blick zurück. Vor kurzem lief in der ARD eine sehenswerte Dokumentation über die wilden Anfangsjahre der Grünen: „Geliebte Gegner“. Vielleicht sollte auf dem nächsten Bundesparteitag in Neumarkt diese Doku als Pflichtveranstaltung gezeigt werden. Wie sich die Bilder gleichen! Da zieht eine Gruppe friedensbewegter Kernkraftgegner in den Bundestag in Bonn und schon bald kullern die ersten Tränen, weil die politische Konkurrenz sie mit Häme und Abscheu statt mit Kuchen empfängt. Die eigenen Fraktionskollegen beharken sich nach Kräften und nehmen dabei kaum Rücksicht auf persönliche Befindlichkeiten. Und so geht das die ganze Zeit. Basis und Abgeordnete entfernen sich immer wieder voneinander bis zur völligen Eskalation 1999 in Bielefeld. „Im Protest spielen die moralischen Fragen immer eine große Rolle. Aber die muss man auch  irgendwann belassen und sich in die Pragmatik begeben, sonst erreicht man nichts“, sagt ausgerechnet Ministerpräsident Winfried Kretschmann am Ende der Doku zurückblickend. So spricht ein erfahrener Berufspolitiker, der lange politische Schlachten geschlagen hat und sich dabei über Jahrzehnte seinen Ideologiepanzer zerrieben hat. Im Tagesgeschäft der Politik kommt es auf Beweglichkeit an. Auch das fällt ins Metier der Ungerechtigkeit. Kretschmann, so das Fazit der Dokumentation, ist ein Teil der Grünen Wirklichkeit 2013. Seine Partei hat in den vergangenen 30 Jahren das Land verändert. Die Vorstellung, so etwas im Jahr 2043 über die Piratenpartei sagen zu können, fällt in diesen Tagen schwer. Dabei wäre das schon spannend zu erfahren, wie die heutige Generation in 30 Jahren rückblickend ihre wilden Anfangsjahre beurteilt.

Der Berliner Landesverband hat vor zwei Wochen auf seiner Aufstellungsversammlung für die Landesliste zur Bundestagswahl eine Wahl getroffen, eine recht gute wie ich finde. Unter anderen Umständen hätte diese Wahl mehr Begeisterung und Überzeugung verdient.

Einige Piraten mit denen ich gesprochen habe flüchteten sich früh in einen Zweckoptimismus. Wenn erst mal der Einzug in den Bundestag verpasst sei, werde man all die Egos schon in den Griff kriegen und dann könne man in Ruhe politisch weiterarbeiten am neuen Ziel Neunzehnter Bundestag. Die Piratenpartei ist von den Mitgliedern und ihrer Wählerstruktur her immer noch die jüngste Partei in Deutschland. Eigentlich hieß es doch, die Ungeduld sei das Vorrecht der Jugend. Aber das ist vielleicht auch schon lange her.

Austra: Home

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Austra Home

Austra melden sich demnächst mit neuem Album zurück. Zwei Jahre nach ihrem Debut “Feel It Break” erscheint im Juni der Nachfolger “Olympia” und vorab gibt es daraus jetzt einen ersten Track auf die Ohren: “Home”. Ihre Vorliebe für Melodien in Herz-Moll haben sich Austra bewahrt. Das funktionierte ja auch bislang ziemlich gut und auf “Olympia” darf es gerne so weitergehen. Eine Tour ist ebenfalls schon geplant, am 14. Juni spielen sie im Berliner Lido. Mehr Infos bei Domino.