Billy Childish: The House At Grass Valley

House At Grass Valley

Am Wochenende war ich nach langer Zeit mal wieder auf einen Besuch in London. Das Timing war gut gewählt, denn – schöner Zufall – aktuell ist eine Ausstellung von Billy Childish in der Carl Freedman Gallery in East London zu sehen. The House At Grass Valley zeigt vom 7. April bis zum 14. Mai Arbeiten von Childish aus den Jahren 2015 und 2016. Man sollte sich beeilen mit dem Besuch, erst recht wenn es darum gehen sollte, eines seiner Bilder für die eigenen vier Wände anzuschaffen. Die aktuelle Ausstellung in London sowie frühere Shows in Berlin oder auf der Art Basel zeigen: Childish ist mittlerweile im Kunstmarkt angekommen.

Die Frage ‚Art or Arse? (you be the judge)‘, die Billy Childish zusammen mit der Künstlergruppe The Stuckists noch Anfang des Jahrtausends stellte, war im Kern gegen einen elitären und aufgeblasenen Kunstmarkt und seine berühmtesten Vertreter wie z.B. Damien Hirst gerichtet. Gleichzeitig war sie ein trotziger Arschtritt in Richtung der damaligen Young British Artists, die von den Medien und Galerien gefeiert wurden und vermeintlich nur auf Markt- und kommerzielle Verwertbarkeit zielten, anstatt sich auch um die sozialen Bedingungen zu kümmern, unter denen Kunst überhaupt erst entstehen kann.

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Heute, nach einer fast 40-jährigen Karriere als Musiker, Produzent, Maler und Poet bleibt Billy Childish die vielleicht letzte große Konstante der britischen Gegenkultur. Als Musiker ist er Legende und Inspiration für Nachgeborene, der größte aller Nostalgiker, der Hoflieferant des feinsten englischen Punkrocks, wahrer Knight of Trash, Earl of Suave und ewiger Musician of the Britisch Empire – bis heute hat er mehr als 150 Alben veröffentlicht, aber wer weiß das schon genau.

Art or Arse? Es wäre kaum gerecht, dem alten Exzentriker daraus heute einen Strick zu drehen. Warum auch, im Manifest der Stuckisten wurde klar formuliert, dass der Stuckismus all jenes, das er anprangert, zugleich begrüßt – solange es der künstlerischen Wahrheitsfindung dient. Wie weit Billy Childish bei dieser Suche bislang gekommen ist, das zeigt nun also die zweite Solo-Ausstellung in der Carl Freedman Gallery.

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Einige der größeren Bilder liegen laut Preisliste bei bis zu 32.000 Britische Pfund, was, so die Galeristin, die Bedeutung des Künstlers im heutigen Marktumfeld angemessen abbilde. Und damit wären wir also wieder beim Kunstmarkt und seinen rätselhaften Gesetzen, denen sich selbst ein alter Punkrocker und Stuckist wie Billy Childish nicht gänzlich entziehen kann.

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