Die andere WM: Wie ‚Midia Ninja‘ das Spiel verändert.

midianinja

Endlich rollt der Ball! Die WM 2014 hat begonnen und die ganze Welt schaut zu. Auch halb Deutschland wird in den kommenden Wochen am Bildschirm hängen oder beim Public Viewing mitfiebern. ARD und ZDF übertragen in diesem Jahr zum ersten Mal komplett alle 64 Spiele. Zeitungen drucken Extrabeilagen, im Netz wird an allen Ecken und Enden gepostet, geliked und diskutiert. Es ist der Augenblick auf den die ‚Midia Ninja‘ seit Monaten gewartet haben.

Midia Ninja, das ist eine Gruppe von Medienaktivistinnen und Aktivisten, ein Kollektiv, das erstmals im Frühling 2013 mit einer eigenen Berichterstattung über Demonstrationen, Streiks und soziale Unruhen in Brasilien in Erscheinung trat. Sie filmen und fotografieren, streamen live ins Netz und dokumentieren so den landesweiten Protest gegen die Regierung, gegen die FIFA und die WM im eigenen Land. Und sie haben ein Publikum: allein 280.000 Likes auf Facebook. Ihr Motto lautet: „Independent Narratives. Journalism and Action.“ Zusammen mit der News-Plattform Oximity zeigen sie der Welt eine andere WM. In Videos (mit engl. UT) und Bildstrecken auf ninja.oximity.com bieten sie eine mediale Gegenöffentlichkeit (Dank automatischer Artikelübersetzung ins Deutsche kann man auch ohne Portugiesischkenntnisse Beiträge lesen und das funktioniert überraschend gut).

Die Grenzen zwischen Berichterstattung und aktiver Teilnahme an Protesten ist dabei schwer zu ziehen. Midia Ninja machen keinen Journalismus, sie bezeugen eher den Protest, der rund um die WM aufflammt. Als Medien-Guerilla verstehen sie sich zudem in einem größeren sozialen Kontext:

„Inspired in over 15 years of independent media experiences in Brazil, from Independent Information Cirandas at the World Social Forums to autonomous blogosphere networks, among others, NINJA is part of a broader movement we call midialivrismo (free media).“

Wie die Entstehungsgeschichte und das Konzept hinter der alternativen Medienoffensive aussieht und welche Strategien sie sich für die WM in Brasilien überlegt haben, darüber sprach übrigens einer der Gründer, Felipe Altenfelder, schon im Mai auf der re:publica. Bei den Aktionen zur WM sei es wichtig gemeinsam kreativ zu sein. So sollten neue Prototypen des Protests entstehen, die die öffentliche Meinung im eigenen Land hinter sich vereinen (ab 28:00 Min.)

Es wird in den nächsten Wochen interessant sein zu erleben, wie die Berichterstattung von Midia Ninja aussieht, wie die Reichweite sich entwickelt, ob tatsächlich neue Narrative entstehen, was davon die deutsche Berichterstattung erreicht und vor allem wo die Unterschiede liegen. Sollte es wirklich hart auf hart kommen und Brasilien vorzeitig aus dem Turnier fliegen, könnte das durchaus wie ein Brandbeschleuniger für Unruhen wirken. Die Midia Ninja werden dann mittendrin sein und auch ARD und ZDF haben hoffentlich schon vorgesorgt. Notfalls müssen sie eben erfahrene Krisenreporter aus Deutschland nachnomminieren. Vielleicht kommt es aber auch ganz anders und die gesamte WM wird ein einziges Liebesfest. Denn was verbindet mehr auf dieser Welt als Fußball?!

Foto: Midia Ninja

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