Netze in Nutzerhand

Den Stein ins Rollen brachte Johnny, der sich zwischen den Jahren Gedanken machte, wie man 2013 Das Web zurückerobern könnte. In seinem Blogpost kritisiert er u.a. die  seit Jahren eingeübte Praxis, Gedanken, Ideen und Links hauptsächlich über die üblichen verdächtigen Plattformen zu publizieren. Stück für Stück berauben wir uns dadurch unseres eigenen, freien Netzes, denn ein selbstbestimmter Veröffentlichungsmodus und eine (dauerhafte) Archivierung von Inhalten ist nur teilweise, wenn überhaupt möglich. Selbst wenn man an dieser Stelle einwenden möchte, dass die bedingte Kurzlebigkeit von 90% aller Tweets, Facebook-Meldungen, Pinterest-Bilder etc. nicht zwingend ein größerer Verlust für das digitale Weltkulturerbe wären, trifft Johnny ganz klar den Punkt.

Einen weiteren Schritt (über mehr eigene Blogs hinaus) geht nun Mathias Richel (D64). Er plädiert für ein neu zu schaffendes Netz: Unsere Zukunft im Netz ist öffentlich-rechtlich. Richel schlägt vor, dass die Finanzierung hierfür per Abgabe von den Telekommunikationsunternehmen und Providern getragen wird, um das aufzubauen, was er als eine Public Space Server-Infrastruktur versteht. Mit einem (in Zahlen: 1) „Netzeuro“ könnten wir damit allen Menschen, eine gewisse Menge an Speicherplatz und somit die Teilhabe an digitaler Grundversorgung ermöglichen. Dabei kann so ein öffentlich-rechtliches Netz das vorhandene niemals ersetzen, es könnte es aber ergänzen.

Auch wenn der Begriff „öffentlich-rechtlich“ bei vielen reflexartig Misstrauen auslösen dürfte (ganz abgesehen davon, dass eine Infrastruktur, die hauptsächlich oder quer subventioniert von der Privatwirtschaft nur schwerlich mit dem „staatstragenden“ Label „öffentlich-rechtlich“ zusammenpasst) – auch hier leuchtet die Grundidee ein, wie ich finde. Und selbst wenn es an vielen Ecken, und das zeigen die Kommentare in seinem Blog sehr deutlich, noch viele Fragen und Diskussionsbedarf gibt. Jedes Gedankenexperiment in diese Richtung bereichert die Debatte darüber wie wir in Zukunft das Web „zurückerobern“ (können). 2013 ist damit schon jetzt ein Stück weit spannender geworden. Danke dafür.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

* Copy This Password *

* Type Or Paste Password Here *