re:publica 2013: All my friends are pappkarton

Klar, ich könnte jetzt damit anfangen, dass die re:publica in diesem Jahr so viel Programm und Speaker hatte wie noch nie. Oder damit, dass wahrscheinlich noch nie so viele Besucher an den drei Tagen unterwegs waren. Und auch noch nie so viel akkreditierte Presse. Kann man alles machen. Auch das die #rp13 noch etwas größer als im Vorjahr werden würde, war vielleicht abzusehen. Wetterglück kam noch hinzu. Und so war die eigentliche Überraschung nicht so sehr die Größe des Events, sondern die Art und Weise wie das alles über die Bühne ging. Die re:publica ist offensichtlich eine der größten Netzkonferenzen des Landes und längst mehr als nur ein „Klassentreffen der Bloggerinnen und Blogger“. Als Veranstaltung  ist sie sowohl vom Programmangebot als auch von der Medienresonanz her in der Mitte der Gesellschaft angekommen.

rp13

Für die Besucher war die #rp13 vor allem drei Tage Konferenz & Festival mit vielen Möglichkeiten zum Kennenlernen, Quatschen, Feiern, Vernetzen, Pläne machen. Und nebenbei setzt man sich immer wieder mal in eine Session und lernt etwas über die Onlineszene in Westafrika, Katzen im Netz, Roboter-Ethik, Urheberrechts-Flame-Wars oder die aktuelle Debatte zur Netzneutralität.

Am Freitag vor der #rp13 bezog ich also die STATION, um dort mit Kollegen unser Redaktionsbüro einzurichten, Medienanfragen zu bedienen und natürlich auch beim Aufbau zu helfen. 10.000 Pappkartons wurden angeliefert, von denen rund 8.700 zusammengefaltet und aufgebaut werden wollten. Den Großteil dieser Arbeit übernahmen unsere großartigen Helfer. Beim Abbau am Donnerstag war dann aber auch das komplett erschöpfte Team in der Pflicht, den ganzen Tag über den Pappwahnsinn mit Alba-Papierpressen zu entsorgen.

Aber zurück zum Anfang. Der Montag stand erst mal ganz im Zeichen der Eröffnungsveranstaltung, die sehr pünktlich um 10:30 Uhr begann. Wie im letzten Jahr wurden mit Hilfe von SPIEGEL Online alle drei Tage auf der Hauptbühne im Live-Stream auf Spiegel.de und natürlich re-publica.de übertragen. Für dieses Jahr hatten wir uns vorgenommen, den Stream noch etwas interessanter zu gestalten, also vor allem die Pausen zwischen den einzelnen Sessions mit Musik und ab Dienstag auch mit Interviews unseres Medienpartners dctp.tv zu füllen. Philip Banse war wieder an allen Tagen vor Ort und drehte Gespräche mit Veranstaltern, Gästen und Speakern. Um 5 Minuten nach 10 Uhr ging der #rp13-Stream schließlich online. Etwas Musik für das pre-opening hatte ich extra noch in der Nacht zuvor zusammengebastelt und sie lief auch den ganzen Montag immer mal wieder bei uns im Redaktionsbüro (hier noch mal Danke an SPON für das unkomplizierte Verfahren).

Der Presseansturm am ersten Tag war recht ordentlich. Viele Fragen, die gestellt wurden, hätte man übrigens mit einem Minimum an Eigenrecherche herausfinden können, aber gut, warum nicht im persönlichen Gespräch klären. Mein persönlicher Höhepunkt waren tatsächlich diverse Telefongespräche mit einer Kollegin aus dem ARD-Hauptsstadtstudio, die bereits seit Freitag einen Dreh für eine Ausgabe der 12 Uhr-Tagesschau organisieren wollte. Zuerst sollte der Aufhänger für das geplante Stück noch die bunte Start-up Szene Deutschlands sein. Diese Idee wurde dann verworfen und plötzlich war das Thema Open Science angesagt und Interviews mit Speakern vorgesehen. Aber auch dieser Spin hielt nicht über’s Wochenende, denn anscheinend hatten die Kollegen am Montag die Eröffnung im Stream gesehen und dabei Markus Beckedahls Appell an die Bundesregierung zur Wahrung der Netzneutralität mitbekommen. Von da an hieß es dann wohl, „Ok, machen wir was zur Netzneutralität und dieses Drosselkom.“ So richtig diese Entscheidung war, so überstürzt musste die Recherche zum Thema abgelaufen sein. Im Gespräch mit der verantwortlichen Kollegin von ARD-Aktuell musste ich an einer Stelle tatsächlich klarstellen: „Nein, wir haben keinen Stand der Telekom auf der re:publica. Und nein, Markus Beckedahl arbeitet auch nicht für die Telekom.“ Missverständnis ausgeräumt.

Die Nacht von Montag zu Dienstag war wieder kurz und der Tag begann mit Interviewanfragen, Blogposts, Akkreditierungsfoo und vor allem YouTube und Stream-Sendeplanung. Der Plan war folgender: Alle Sessions, die auf der Hauptbühne aufgezeichnet werden, landen per Script automatisch richtig betitelt und getaggt in  unserem YouTube-Kanal, wo sie allerdings noch einmal manuell freigegeben und einer Playlist hinzugefügt werden müssen. Bis jetzt haben wir bereits 144 Videos von den #rp13-Sessions online gestellt (zum Vergleich: 2012 gab es insgesamt 75 Sessions). Parallel häuften sich die Extra-Interviews auf unserem Fileserver, die wir in den kurzen Pausen ebenfalls in den Stream schmissen. All das funktionierte, weil die Jungs von Code One in der Bildregie einen tollen Job machten, wir mehr als genug Footage zur Verfügung hatten (das in den nächsten Tagen evtl. auch noch bei uns im YouTube-Kanal landen wird) und das Internet in der STATION diesmal wirklich gut war.

So verging der halbe Dienstag, mein Körper hatte sich mittlerweile an den Schlafentzug und das Kommunikationstempo gewöhnt, vielleicht war das aber auch nur ein geschicktes Täuschungsmanöver. Denn als ich am späten Nachmittag feststellte, dass ich das Crew-Catering verpasst hatte und nur noch letzte Reste Reis aus der Schüssel kratzen konnte, hätte ich gewarnt sein müssen. „Der Hungerast ist der natürliche Feind des Konferenzteilnehmers“, hatte ich noch selbst eine Woche vor der #rp13 gewarnt. Doch zu spät. Der Energielevel aller Schilde sank rapide um 80%, der Körper fühlte sich plötzlich an, als würde ich einen Taucheranzug aus Blei tragen. Sinken, atmen, sitzen – bloß nicht hinlegen – das sind dann so die Gedanken, die es noch irgendwie in den Kopf schaffen. Und mal für 30 Minuten nicht ans Telefon gehen. Zum Glück war ein Teamkollege zur Stelle und drückte mir eine Bratwurst und eine Mate in die Hand (Danke, Michi). Und weiter ging’s.

Der Mittwoch verlief dann schon etwas ruhiger. Der Großteil der Medien war zu diesem Zeitpunkt bereits akkreditiert, einzelne Interviews wurden noch verabredet, Blopgposts vorbereitet und immer wieder dieser eine Hinweis: „Ja, wir haben Videos und Bilder, schauen sie doch bitte mal ins Netz bei YouTube und Flickr.“ Um 18 Uhr dann die Abschlussfeier mit Bühnenaction und Singen. Zu diesem Zeitpunkt überwog auf der seinen Seite die Freude es geschafft zu haben, auf der anderen Seite war es aber eben noch überhaupt nicht geschafft. Hallo Abbau! Direkt im Anschluss an die Verabschiedung ging es los (nochmal: 8.700 Pappkartons). Für mich hieß es aber erst mal zurück an den Rechner: Videos freigeben, den Blog füllen, Pressemitteilung schreiben, Journalistenfragen beantworten und YouTube-Sperren wegen Musiknutzung umgehen. It ain’t over til it’s over. Irgendwann gegen 23 Uhr waren die ganzen Restbaustellen dann aber mehr oder weniger abgeräumt und somit Zeit für die Abschlussparty. Während 99% der Partygäste am Feiertags-Donnnerstag ihren Kater in Ruhe ausschlafen konnten, war unser Team teilweise ab 8 Uhr wieder auf den Beinen, um nicht nur den Restalkohol sondern auch alles andere in der STATION abzubauen. Der Begriff ‚Herausforderung‘ beschreibt den mentalen und physischen Zustand aller Beteiligten, in dem dies passierte, nur unzureichend. Aber so ist das. Auf jeder Party gibt es welche, die den Abwasch machen müssen. Done.

Seit Freitag steht nun re:generation auf dem Programm. Zum Schluss noch mal ein bißchen Redaktionsstatistik zu rund sechs Monaten re:publica 2013 (seit Dezember): Bis heute fielen u.a. 3.427 gelesene und 2.011 geschriebene Emails, rund 80 verfasste Blogposts, Newsletter und Meldungen, 500 Presseakkreditierungen sowie 144 YouTube-Videos an. Und die 1.227 Fotos, die in meiner Dropbox liegen, müssten auch noch mal gesichtet und verarbeitet werden.

good bye #rp13

Was bleibt? Zunächst die Erinnerung an eine großartige Veranstaltung mit toller Atmosphäre und Gästen, einem großartigen Team und so viel Berichterstattung in Blogs, Online-Medien, Zeitungen und TV, dass ich mit der Aufarbeitung die gesamte nächste Woche füllen könnte. Stattdessen hole ich jetzt lieber das nach, was ich fast komplett verpasst habe: Das Programm. Da sind so viele große und kleine Entdeckungen zu machen, die ich mir jetzt in aller Ruhe von der Couch anschauen kann (sehr komfortabel übrigens dank Michael Kreils Session-YouTube Verlinkung) Und das mache ich jetzt. Dann habe ich sie auch irgendwann: meine re:publica 2013.

Fotos: Gregor Fischer und Tony Sojka

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